NGZ Artikel von 2021

Dies ist der Zeitungsartikel von der NGZ (Neuss-Grevenbroicher-Zeitung)

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Geschichte eines außergewöhnlichen Autors

Martin Krefta ist seit Jahren erblindet. Mit Freude schreibt er nun Kindergeschichten.

Viele Menschen schreiben leidenschaftlich gerne Geschichten. Zu ihnen gehört auch Martin Krefta, der sich besonders gerne Kindergeschichten ausdenkt. Der Dormagener ist kein gewöhnlicher Schriftsteller, der seine Geschichten wie die meisten anderen Autoren auf dem Computer oder per Hand niederschreibt. Der 24-Jährige ist blind, schuld daran ist die Augenkrankheit Retinitis Pigmentosa.

„Die Diagnose zu meiner Augenkrankheit erhielt ich 2004 in der Uniklinik Köln“, erzählt er. „Das war natürlich ein ziemlich großer Schock.“ Hinzu kommt, dass er noch im selben Jahr eine weitere niederschmetternde Diagnose erhielt. Bei Krefta wurde Polyneuropathie diagnostiziert, eine Erkrankung der peripheren Nerven, welche die Reizweiterleitung im Körper entweder stören oder gänzlich unterbinden.

„Die Krankheit befindet sich überall in meinem Körper, meine Beine sind jedoch am schlimmsten betroffen“, so der junge Autor. Beide Krankheiten führten dazu, dass Krefta erblindete. Zudem ist er mittlerweile auf einen Rollstuhl angewiesen. „Durch die Polyneuropathie habe ich starke Hörschwierigkeiten auf dem rechten Ohr. Dort bin ich fast taub. Deshalb ist es für mich bei einer Unterhaltung wichtig, dass laut und langsam gesprochen wird, damit ich alles richtig verstehe.“

Seine körperlichen Einschränkungen hielten ihn jedoch nicht davon ab, seiner Leidenschaft nachzugehen. „Durch meine Blindheit konnte ich einigen Hobbies von mir nicht mehr nachgehen. In dieser Zeit habe ich das Schreiben für mich entdeckt und gemerkt, dass es mir großen Spaß bereitet.“ Krefta spezialisiert sich dabei auf Kindergeschichten.

Für seine erste Geschichte, „Ein trauriger Tannenbaum“, erhielt er viel positives Feedback aus seiner Umgebung, was ihn dazu ermunterte, weiterzumachen. Die Ideen zu seinen Geschichten kommen dabei meist am Abend. „Abends denke ich viel nach, dadurch fällt mir schnell etwas ein, was ich für eine Geschichte verwenden kann. Diese Idee wird dann ausgearbeitet, sodass ich schließlich die fertige Geschichte im Kopf habe.“ Seine Geschichten diktiert er ihn sein Handy hinein; im Anschluss daran macht er eine Korrektur. „Durch Sprachassistenten ist es für mich kein Problem, die richtigen Stellen wiederzufinden und dort beispielsweise Satzzeichen zu ergänzen.“

Für seine Geschichten braucht Krefta meist nie länger als einen Monat. Diese können auf seiner Internetseite martinkrefta.de als PDF-Dateien heruntergeladen und gelesen werden.

„Ich wollte meine Geschichten gerne öffentlich zugänglich machen, damit jeder davon profitieren kann“, sagt er. Zudem möchte er seine Arbeiten irgendwann seinem kleinen Sohn zeigen, für den er den Großteil seiner Geschichten auch schreibt. „Mein Sohn ist eineinhalb Jahre alt. Wenn er älter ist, hoffe ich, dass ihm die Geschichten gefallen werden. Vielleicht denkt er sich selbst ja irgendwann auch Geschichten aus und beginnt mit dem Schreiben, das würde ich natürlich sehr toll finden.“

Keine Geschichten mehr schreiben? Das kann Martin Krefta sich nicht mehr vorstellen. „Ich kann durch meine Geschichten sehr gut abschalten und entspannen. Mich macht es glücklich, meine zahlreichen Ideen zu Papier zu bringen. Wenn ich gleichzeitig anderen Menschen und besonders Kindern eine Freude damit machen kann, ist das für mich eine zusätzliche Motivation.“

Ab Dezember oder Januar möchte Krefta, der auf Grund seiner Krankheit derzeit berentet ist, zudem wieder arbeiten gehen. Er plant, ab Dezember oder Januar eine Arbeitsstelle bei der GWN (Gemeinnützige Werkstätten Neuss) anzunehmen. „Ich würde mich über etwas Abwechslung sehr freuen. Geschichten schreiben ist zwar sehr schön, aber manchmal fällt einem wirklich die Decke auf den Kopf“, lacht er.

2 Kommentare

    1. Hallo, vielen Dank! Ich brauche dringend einen Push Alarm für neue Kommentare, mir wurde dein Kommentar gar nicht angezeigt, ich habe ihn gerade durch Zufall gefunden. Das tut mir sehr leid! Auf jeden Fall Dankeschön, dir wünsche ich noch schöne Adventstage und schöne Weihnachten! Liebe Grüße Martin

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